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Rennreport Nürburgring: Williams-Debüt und Soldavini-Premierensieg
14.06.2026

Ingo Gerstl, Francisco Soldavini, Michael Fischer, Paul O’Connell, Stefan Scho und Juju Noda heißen die Sieger beim Nürburgring Classic.

Alle Augen waren auf das BOSS GP-Debüt von Williams F1 Team Heritage gerichtet. Der britische Traditionsrennstall reaktivierte den FW25 aus der Saison 2003 für Fahrer Phil Stratford (GBR). 23 Jahre nach dem Doppelsieg von BMW-Williams durch Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya war der Siegerwagen zurück am Nürburgring. Doch am Freitag und Samstag hatte das Team aus Grove noch mit Kinderkrankheiten des Projekts zu tun, ehe der Wagen am Sonntag endlich wieder auf die Strecke ging und die Eifel zum Beben brachte. Stratford startete aus der Boxengasse, und Rekordmeister Ingo Gerstl (AUT, Team Top Speed) hieß ihn auf seine Weise willkommen. Im V10-Duett ging es einige Runden lang vor den begeisterten Zuschauern auf dem Boxendach und den Tribünen in der Mercedes-Arena über den Ring. Schließlich siegte Gerstl nach dem Samstagsrennen auch am Sonntag. Stratford zeigte sich überwältigt von diesem Erlebnis und der letztlich geglückten Premiere. Als Ausstellungsfahrzeug war zudem ein BMW-Williams aus dem Jahr 2000 zu sehen. Die gute Nachricht: Williams F1 Team Heritage plant, auch beim kommenden Rennen in Frankreich an den Start zu gehen.

Doch auch die anderen Klassen hatten viel zu bieten. In der FORMULA-Klasse beeindruckte Francisco Soldavini (MM International) aus Argentinien bei seinem erst zweiten BOSS GP-Rennwochenende mit der Poleposition. In Rennen 1 setzte er sich gegen Teamkollege und Titelverteidiger Simone Colombo (ITA) durch, der in Hockenheim noch gewinnen konnte. In Rennen 2 war zunächst WORLD SERIES-Pilot Michael Fischer (AUT, Red Rose Racing by LRT) nach dem Start an den schnellsten FORMULA-Boliden vorbeigegangen. Der Nürburgring-Spezialist verteidigte sich zunächst gegen Colombo, doch dieser überholte Fischer noch in der Anfangsphase. Auch Soldavini zog schnell nach und nahm weiter Fahrt auf. Während Fischer auf abgefahrenen Reifen zurückfiel, ging Soldavini im Kampf um den FORMULA-Sieg an Colombo vorbei. Der Argentinier gewann auch Rennen 2 und machte nach dem Doppel-Aus in Hockenheim wieder wichtige Punkte in der Gesamtwertung gut. Marco Ghiotto (ITA, Nardi Compressori Racing) klassierte sich zweimal auf Rang drei und blieb damit jeweils vor Teamkollege Thomas Zeltner (SUI), der erneut einen Schritt in Richtung seines erfahrenen Teamkollegen machte.

In der WORLD SERIES-Klasse war Michael Fischer im ersten Rennen unschlagbar. Im zweiten konnte er Paul O’Connell (IRE, HS Engineering) kein Paroli bieten. O’Connell startete mit Defiziten ins Wochenende, war am Sonntag aber wieder zurück auf der Erfolgsspur und bleibt damit auch in der Meisterschaft weiterhin unantastbar. Drama für Stefan Eisinger-Sewald (Red Rose Racing by LRT): Nach Platz drei am Samstag drehte sich der Österreicher am Sonntag in der allerletzten Kurve abseits der Ideallinie und verlor damit den sicher geglaubten Podestplatz. Profiteur war F. Binder (AUT) von Team Top Speed, der damit nach Hockenheim auch vom Nürburgring einen Pokal mit nach Hause nimmt.

Ihr BOSS GP-Comeback gab Juju Noda (HS Engineering). Die Japanerin startet normalerweise in der Super Formula in ihrer Heimat und nutzte die Rennen am Nürburgring als Vorbereitung für die nächsten Einsätze. Ihr World Series V8 mit 4,5-Liter-Motor fällt in die Kategorie OPEN. Nachdem sie im Qualifying noch hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, dominierte sie in den Rennen souverän vor den anderen World-Series- und GP2-Boliden.

Die SUPER LIGHTS-Kategorie war erneut eine klare Angelegenheit für Stefan Scho (DEU, Scho Racing), der seinen Formel 3000 aus dem Jahr 1991 bestens beherrscht und zweimal souverän vor seinem Landsmann und Freund Jochem Sihorsch (LöSi Racing) gewann. Sihorsch startete erstmals bei einem Rennen der Serie und wurde auf Anhieb zweimal Zweiter. Eine große Bereicherung für die Meisterschaft ist auch der Start von Jody Stadelmann (SUI, Jogaz Team) im Formel Nippon. Mit technischen Problemen konnte er allerdings nicht sein volles Leistungspotenzial zeigen.

Bereits in drei Wochen (3.–5. Juli 2026) stehen die nächsten beiden BOSS GP-Rennen auf dem Programm. Die Rückkehr der Meisterschaft ins französische Magny-Cours ist für viele eine Premiere. Die ehemalige Formel-1-Rennstrecke lädt zum Racing Cup, bei dem GT-Sport, Truck Racing und die Big Open Single Seater zu sehen sein werden.

Foto: Jochen Merkle

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