Rennreport Magny-Cours: Sieger-Roulette
Für die BOSS GP Racing Series wartete bei der Rückkehr nach Frankreich mit Magny-Cours eine ikonische Formel-1-Rennstrecke der 1990er- und 2000er-Jahre auf die Piloten und Teams. Gemeinsam mit dem französischen Truck-Championat bot sich den Motorsportfans ein spektakuläres Programm. Die BOSS GP-Rennen brachten sieben verschiedene Sieger an den zwei Renntagen!
In der BOSS GP F1-Klasse war Williams F1 Heritage Racing zum zweiten Mal in der Serie am Start. Der britische Traditionsrennstall setzte den FW25 aus dem Jahr 2003 für Phil Stratford (GBR) ein. Ein dramatisches Ende im ersten Rennlauf – ausgelöst durch das Ausrollen von Spitzenreiter Ingo Gerstl (AUT, Team Top Speed) im Toro Rosso – brachte schließlich den ersten Sieg für das britische Team in der BOSS GP. Stratford zeigte sich überglücklich und wuchs – auch in Bezug auf die Rundenzeiten – bei seinem erst zweiten Rennwochenende mit diesem Auto über sich hinaus. Rekordmeister Gerstl ließ dann im zweiten Rennen nichts anbrennen, kontrollierte das Geschehen vom Start weg und behauptete bis ins Ziel die Führung. Stratford fuhr als Zweiter über die Ziellinie und überstand kurz danach noch einen Highspeed-Dreher in der ersten Kurve schadlos. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Walter Steding (GER, Nardi Compressori Racing) mit dem Debüt des Prost AP02 mit Peugeot-V10-Motor aus der Formel-1-Saison 1999. Der Deutsche absolvierte mit dem von LRS betreuten Auto die Freitagstrainings sowie das Qualifying am Samstag.
In der FORMULA-Klasse war man gespannt auf das F2-Debüt von Nürburgring-Doppelsieger Francisco Soldavini (ARG, MM International). In Magny-Cours startete er erstmals mit einem Formel-2-Auto, Baujahr 2018, mit Halo und Turbomotor. Kontrahent Simone Colombo (ITA, MM International) trat weiterhin mit dem GP2/11 an und war zunächst auch schneller. Im ersten Rennen erwischte Colombo den besseren Start, während Soldavini Positionen einbüßte. Zwar konnte sich Soldavini noch auf Rang zwei vorarbeiten, doch Colombo behielt die Führung, nachdem das Rennen hinter dem Safety-Car beendet wurde. Im zweiten Rennen drehte Soldavini auf. Mit zunehmender Erfahrung im moderneren, wenn auch etwas langsameren Auto verlor er zunächst erneut Positionen in der Startrunde. Zur Rennmitte schloss er jedoch wieder zu Colombo auf und überholte ihn in der Adelaide-Spitzkehre. Dieses Manöver sollte die Entscheidung bringen: Soldavini sicherte sich den Sieg vor Colombo.
Thomas Zeltner (SUI, Nardi Compressori Racing) zeigte sein bislang bestes BOSS-GP-Wochenende und war so nah an der Spitze wie nie zuvor. Mit zwei dritten Plätzen und mehreren sehenswerten Duellen zählte der Schweizer zu den Fahrern des Wochenendes. Teamchef und Mitstreiter Marco Ghiotto (ITA) verpasste zweimal nur knapp das Podium. Der Däne Jens Renstrup (MM International) war hinter Ghiotto zweitbester Fahrer der Masters-Wertung, gefolgt von Stephan Miller (AUT) und Erich Zech (GER) vom Team Top Speed. In der Meisterschaft bleibt es spannend: Ghiotto führt nach drei von sechs Rennwochenenden mit 129 Punkten vor Colombo (126) und Zeltner (124).
Auch in der WORLD SERIES-Klasse ging es eng zur Sache: Paul O’Connell (IRE, HS Engineering) kam zu Beginn des Wochenendes am besten mit der für viele neuen Strecke zurecht. Der Ire entschied das erste Rennen für sich, vor Michael Fischer und Stefan Eisinger-Sewald (beide AUT, Red Rose Racing by LRT). Im zweiten Rennen war Fischer tonangebend und nahm bereits am Start auch die F2- und GP2-Fahrzeuge ins Visier. O’Connell versuchte zu folgen, fuhr jedoch infolge eines Problems bereits in der Anfangsphase ins Kiesbett. Fischer siegte vor seinem Teamkollegen Eisinger-Sewald – damit feierte das österreichische Team einen Doppelsieg. Marco Minelli (ITA, AM Sport System) komplettierte als Dritter das Podium.
Erstmals konnte Jody Stadelmann (SUI, Jogaz Team) seinen bunten Formel Nippon über die Distanz bringen und sicherte sich damit im ersten Lauf die vollen 25 Punkte für den Sieg.
Nach der Absage des Rennens in Assen findet das nächste BOSS GP-Rennen nach der Sommerpause am 29. und 30. August beim Red Bull Ring Classics in Österreich statt.
Foto: Denis Petermann